Eve Green

It's not easy being green

Braucht die Entwicklerwelt mehr Frauen?

Diese Frage wird bei der it-republik gestellt und der Artikel schließt mit folgender Feststellung:

Was könnte man tun, um Arbeitgeber dazu zu bringen, mehr weibliche Entwickler in ihr Team aufzunehmen? Die Relevanz des Problems steht schon lange außer Frage – mittlerweile geht es nur noch darum, eine Lösung zu finden.

Auf einer Jobmesse habe ich mit einigen Mädchen sprechen können und alle hatten sie Angst, dem nicht gerecht werden zu können. Es ist in den Köpfen, dass sie erst gar nicht dafür geeignet seien und es auch viel zu schwer für sie ist.

Auf einer anderen Jobveranstaltung, in der es speziell um Frauen in technischen Berufen ging, konnten wir mit zwei Mädchen sprechen, die sich brennend dafür interessierten. Zumindest die eine (bei der anderen erinnere ich mich nicht mehr genau) hatte im familiären Umfeld eine weibliche Informatikerin. Sie konnte sich also schon ein Bild davon machen, dass Frauen nicht per se ungeeignet sind.

Wenn es nun also genug Mädchen gäbe, die einfach mal probieren; wie können die Fuß fassen, auf dem Arbeitsmarkt?

Der Artikel sagt auch folgendes:

Behauptet man, das schlichte Nichtvorhandensein von weiblichen Entwicklern ist Beweis genug für mangelnde Lust oder Begabung am Programmieren, begeht man den logischen Fehler, von der Wirkung auf die Ursache zu schließen. Wie Fowler scharfsinnig bemerkt, ist es besonders verwunderlich, dass ausgerechnet Programmierer, die im logischen Denken eigentlich geschult sein müssten, für diesen Fehlschluss anfällig sind.

Abgesehen davon, dass sich in den Köpfen der männlichen Entwickler und Chefs auch etwas ändern muss, steht uns Frauen wohl trotzdem auch die weibliche Natur im Wege. Einige der Bewerber, die ich in letzter Zeit erleben durfte, strotzten nur so von Selbstbewusstsein. Generell fällt es einem Mann wohl leichter, seine Vorzüge hervorzuheben, wohingegen (ich bemühe mal alte Rollenbilder) Frauen wohl eher zu Bescheidenheit neigen.

Ich bin in der Hinsicht wohl auch ein Extrem. Ich tue viel, kann viel; stelle mein Licht aber regelmäßig unter den Scheffel. Andere müssen sich anhand meiner Leistungen von meinen Fähigkeiten überzeugen; ich selbst kann das rein über die Ausstrahlung nicht reißen.
Und woher soll The Big Boss das wissen?

7 responses to “Braucht die Entwicklerwelt mehr Frauen?”

  1. Susi says:

    Stimme dir voll und ganz zu … das alte Problem. Aber es gibt inzwischen immer mehr Firmen die für Ihre Teams auch gezielt mehr Frauen einstellen wollen weil die Mischung ein gutes Klima schafft.

  2. Tux2000 says:

    Bei meinem aktuellen Arbeitgeber besteht die EDV-Abteilung aus fünf Leuten, davon zwei Frauen. Leiter ist ein Mann. Was die Qualifikation angeht, haben wir eine Frau, die sich wirklich gut auskennt und definitiv entwickeln kann, auch wenn es meistens auf Hacken hinausläuft. Die andere Frau hat schon Schwierigkeiten, Ordnung ins Chaos zu bringen, von systematischer Fehlersuche oder systematischer Arbeit will ich gar nicht anfangen. Bei den Männern gibt es einen Gelegenheits-Hacker, einen Fachinformatiker (sprich: IT-Handwerker), der sich hauptsächlich um die Infrastruktur kümmert, und einen Dipl-Inf, der hauptsächlich entwickelt. Lustigerweise passen die verteilten Aufgaben und die Fähigkeiten und Schwächen der Leute kaum zusammen. Das könnte am Peter-Prinzip liegen … 😉

    Bei meinem ersten Arbeitgeber war die Verteilung im Team etwa 6:1, die eine Frau war eine Mausschubserin erster Güte, was sich nicht allein mit der Maus “entwickeln” ließ, ging nicht in ihren Kopf, und was sie mit der Maus “entwickelte”, war von so gruseliger Qualität, dass man es eigentlich nur wegwerfen und neu anfangen konnte.

    Bei den zwei oder drei Arbeitgebern dazwischen gab es keine Frauen in der EDV.

    Mir ist es ziemlich egal, ob ich mit Männern oder Frauen oder einem gemischten Team arbeite. Mich stören Dumpfbacken, und da ist es völlig egal, mit welchem Chromosomensatz die Dumpfbacke rumläuft.

    Ein klarer Vorteil bei allen Frauen, mit denen ich bislang gearbeitet habe, ist ihre bessere Kommunikationsfähigkeit verglichen mit den männlichen Kollegen.

    Tux2000

  3. N-Rico says:

    Eigentlich sollte die Frauenquote genauso hoch sein, wie die der Männer. Denn Denken kann jeder. Die meisten brauchen sich nur einen Anschupser. Aber die meisten denken an Mathematik und Physik und das war schon in der Schule doof. Warum also Informatiker sein? Die, die ich mal interviewt habe, kamen genau mit diesen Argumenten.

    Liebe Frauen…
    ihr könnt programmieren, ohne Frage. Aber ihr müsst es auch mal probieren. Und es wird Euch Spaß machen. Ihr müsst nur etwas abstrakter denken können. Abstrakt? Ja. Kunst mögt ihr doch auch. Auch abstrakte Kunst.

    Seht die Welt in Objekten. Alles sind Objekte. Alle haben Eigenschaften und mit allen Objekten kann man etwas Physikalisches machen, um deren Eigenschaften zu ändern. Manche Objekte haben Gemeinsamkeiten. Alle Objekte sind so konkret, dass ein Informatiker sie nur mit den wichtigsten Eigenschaften erfassen kann. Wenn ihr Objekte erkennt, könnt ihr auch programmieren.

    Aber am besten ihr schaut Euch zunächst die Welt im Ganzen an. Sagt der Welt Hallo. Habt ihr? Sehr gut! Ihr habt damit soeben Euer 1. Programm erfolgreich entwickelt.

  4. Susi says:

    Ich glaube genau solche Kommentare (@ N-Rico) halten Frauen davon ab technische Berufe zu ergreifen.
    Denn Mädel die Mathe und Physik doof und Kunst cool finden (abolsutes Klischee) werden sich wohl kaum fürs Programmieren interssieren. Unter den weiblichen Schülern gibt es viele die gut in Mathe, Physik und Informatik sind und trotzdem Angst davor haben immer als MÄDCHEN abgestempelt zu werden!

  5. N-Rico says:

    @Susi: Das war nicht böse gemeint, ich habe nur das wiedergegeben, was ich selbst gehört habe. Und das war nunmal das Klischee “Mathe und Physik doof, also Informatik doof”. Das mit der Kunst war nur eine Assoziation zum abstrakten Denken. Denn was anderes machen wir Informatiker nicht.

    Ich wollte damit keine Frau schlecht reden, es gibt sehr viele Frauen, die sich für Technik und Informatik interessieren, aber es gibt auch eine Menge derer, die sagen, dass es ein Männerberuf ist. Gliches gilt zum Beispiel auch für Automechaniker. Einige finden Autoschrauben toll, aber viele sagen eben auch, das ist Männersache. Und ich glaube auch, dass es immer eine Menge gibt, die glaubt, sie werden nicht akzeptiert und wollen es deshalb nicht.

    Wie Tux schon schrieb, ist das Team entscheidend, wie wohl sich eine Frau fühlt. In einem guten Arbeitsklima (so auch in der Firma, in der ich arbeite), haben es Frauen überhaupt nicht schwer und die, die hier sind, fühlen sich auch akzeptiert und voll integriert.

    Ich wollte mit meinem Post die ermutigen, die sich nicht an die Informatik heran trauen, weil sie Angst haben. Wer vorher ein bisschen für sich probiert und übt, wird merken, ob es ihm/ihr liegt oder nicht. Hat man erst einmal den Bogen raus und ist sich sicher, dass das der Berufswunsch #1 ist, wird es leicht sein, ein entsprechendes Team zu finden, für das man arbeiten will.

  6. Tux2000 says:

    Ich grab nochmal aus meinem Erfahrungsschatz:

    Erstes Semester Informatik-Studium, zwei große Hörsäle mehr als gut gefüllt mit Leuten, die ihre Zukunft in der Informatik sahen. Grob geschätzt 2/3 XY, 1/3 XX, vielleicht ein oder zwei Leute mit völlig anderen Chromosomensätzen. Am Anfang des zweiten Semesters gab es schon einige freie Plätze in den Hörsälen, am Anfang des Hauptstudiums reichte ein Hörsaal locker aus. Dabei ist der XX-Anteil immer kleiner geworden. Am Ende des Studiums lag der XX-Anteil bei vielleicht 10%, eher 5%.

    Die Profs haben in etwas entspannteren Runden recht offen zugegeben, dass im ersten und zweiten Semester recht gnadenlos abgesägt wurde, gerade in Mathe und Physik, und im Nachhinein kann ich ihnen nur recht geben. Wer nicht wenigstens den Mathe-Stoff aus Klasse 10 beherrscht, hat in der ingenieursmäßigen Informatik nichts verloren. (Man kann auch mit Mathe-Stoff aus Klasse 4 in der Informatik werkeln, halt als handwerklich ausgebildeter und handwerklich arbeitender Fach-Informatiker alias Büromaschinenmechaniker. Dann sollte man sich aber auch klar sein, dass ein Handwerker weniger Kohle aufs Konto bekommt als ein Ingenieur. Und man spart sich mindestens ein Jahr Ausbildung und drei Jahre Schule.)

    So, zurück zum Absägen. Hart, aber notwendig. Pfeifen, die glauben, die übercoolen Hacker zu sein, weil sie nach 3 Stunden mühevollem Ein-Finger-Adler-Suchsystem ein “Hello World” aus einem Heft in ihren Rechner abgetippt haben, kommen nicht weit. Es ist für alle besser, sie schnell rauszuschaffen, denn sie blockieren die Leute, die wirklich Potenzial für das Studium haben, und vor allem die Profs und Lab-Ings. Und sie lernen (hoffentlich), dass sie in einem anderen Job besser untergebracht sind.

    Ich will gar nicht ausschließen, dass auch einige wenige Leute abgesägt wurden/werden, die durchaus gute Informatiker hätten werden können. Nur kann es sich eine Hochschule nicht leisten, diesen Leuten Dinge beizubringen, die sie eigentlich in den Jahren auf dem Weg zur Hochschulreife hätten lernen sollen:

    Eigenständiges Lernen, systematisches Arbeiten, erkennen von Zusammenhängen, übertragen von vorhandenem Wissen auf neue Probleme. Das sollte in den allgemeinbildenden Schulen vermittelt werden. Leider passiert das nicht immer und überall, oft wird stumpf sinnfreies Faktenwissen abgefragt, und Leute können sich durch dämliches Büffeln irgendwelcher sinnlosen Tabellen durch fast alle Prüfungen mogeln.

    Ich habe über Jahre bei vielen Mitschülern, gerade bei denen mit XX-Chromosomen, beobachtet, dass sie gerade in Mathe und Physik stumpf SÄMTLICHE Übungsaufgaben auswendig gelernt haben, ohne das Prinzip dahinter (den Algorithmus) auch nur im Ansatz begriffen zu haben. Entsprechend haben sie in den Prüfungen die jeweils ähnlichste Übungsaufgabe rezitiert. Weil auch Lehrer faul sind, rotieren sie die Übungs- und Prüfungsaufgaben, manche Lehrer haben auch 1:1 die Übungsaufgaben als Prüfungsaufgaben übernommen. So kommt man natürlich ohne irgendetwas wirklich gelernt zu haben mit guten Noten durch die Schule.

    Eine wirklich gute schulische Ausbildung ist selten und ein Glücksfall. Das sieht man nicht nur an PISA. Es kann eigentlich nicht angehen, dass an der Hochschule Förderkurse vor dem eigentlichen Studium angeboten werden müssen, um Leuten mit Hochschulreife auf dem Papier so weit auf die Füße zu helfen, dass sie wenigstens eine kleine Chance haben, das erste Semester zu überstehen.

    Leider wird immer noch von vielen Lehrern den Kindern beigebracht, sich den Kopf mit sinnlosem Müll vollzustopfen, statt ihnen Zusammenhänge zu erklären und ihnen beizubringen, Zusammenhänge selbständig zu erkennen. Etwas provokant: Wen interessiert es, ob Rom 753 v.Chr. gegründet wurde oder 735 oder 573? Viel wichtiger ist es, warum Rom gegründet wurde und in welchem zeitlichen und sozialen Umfeld. Warum ist Rom so erfolgreich geworden, während die 100 Neugründungen in der Nachbarschaft das nicht geschafft haben? Das genaue Gründungsdatum kann ich mir bei Bedarf aus irgendeinem Geschichtsbuch oder moderner aus dem WWW heraussuchen.

    Varusschlacht, 9 n. Chr, irgendwo in Germanien. Steht in jedem Buch. Wikipedia sagt außerdem, dass die Römer selbst die Schlacht Varus-Niederlage nannten. Warum benennt man diese Schlacht eigentlich nach dem Verlierer statt nach dem Gewinner? Und vor allem: Warum haben die eigentlich immer erfolgreichen, sehr disziplinierten römischen Truppen gegen Armenius dermaßen Prügel bezogen, dass drei komplette Legionen von “ein paar” germanischen “Wilden” fast vollständig vernichtet wurden?

    Klar, das hat auf den ersten Blick wenig mit Informatik zu tun. Man muß aber in den Kopf bekommen, dass der olle Hermann seinen Kopf benutzt hat, um eine kreative und mit gängigem Konventionen brechende Problemlösung zu finden. Hätte der nur stumpf gelernt, dass eine Legion aus 10 Kohorten, eine Kohorte aus x Manipeln, ein Manipel aus y Zenturien, und eine Zenturie aus etwa 100 Soldaten besteht, wäre Armenius mit seinen Leuten nur eine weitere Fußnote in der Geschichte, der wie viele andere vor ihm von den Römern in Grund und Boden gestampft worden wäre.

    Und wo ich gerade dabei bin: Was passierte eigentlich in Afrika, Asien und Amerika, während in und um Rom sich Cäsaren gegenseitig meuchelten und römische Truppen halb Europa besetzen? Welchen Einfluß hatte das? Ich hab dank Fakten-Büffel-Fan-Lehrern keine Antwort darauf. Leider.

    Tux2000

  7. Evelyn says:

    @Susi so ist es bei uns auf Arbeit auch. Frauen bringen oft eine andere Herangehensweise oder Sichtweise auf Probleme mit. Und das wird tatsächlich auch geschätzt. Zudem sagt man Frauen Gewissenhaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein nach.

    @N-Rico wir mussten vor kurzem in Deutsch einen Kommentar zu einem beliebigen Thema schreiben. Ich habe dann diesen und den zugrundeliegenden Artikel zum Thema gemacht. Es hatte den Titel “Sollte eine Frauenquote eingeführt werden” oder so, kann mich jetzt nicht genau an den Titel erinnern (schlimm). Jedenfalls schloss ich dann mit dem Gedanken, dass Girlsday und solcherlei Veranstaltungen eigentlich schon zu spät sind, wenn es darum geht, den Mädchen zu vermitteln, dass Physik und Mathe nichts für Mädchen oder gar langweilig sind.
    Man müsste viel früher damit beginnen. Aber dafür müsste man Physik und Mathe interessanter machen. Weiblicher, irgendwie.
    Meine letzte Frage war, warum Technik nicht bunt und verspielt sein kann?

    @Tux Deine Erfahrungen zum Studium kann ich auch bestätigen. Viele von uns haben die ersten zwei Semester nicht überstanden.
    Neben dem Aussieben kommt aber auch hinzu, dass sich viele unter dem Studium was anderes vorgestellt haben und: es ist nicht jedermanns Art zu lernen.

    Ich würde mich nicht als dumm ansehen(ich weigere mich jedenfalls noch). Ich hätte mein Studium sicherlich gepackt, wenn ich nicht schon am Anfang die Lust daran verloren hätte; und mit 4 oder nur gerüngfügig besser wollte ich nicht abschließen. Zu dem Zeitpunkt wäre mir aber nicht viel mehr möglich gewesen.
    Ich kam aus einem total klischeehaften Frauenberuf (Fräulein vom Amt) und hatte mir in den Kopf gesetzt, programmieren lernen zu wollen, das lernt man an einer FH aber nicht. Traurigerweise hat mir das niemand vorher gesagt oder sagen können und so war ich direkt total entmutigt. Da war es auch nicht hilfreich, als ein Professor, der uns C und C++ nahebringen sollte, mir fröhlich verkündete ich solle mir keinen Kopf machen, weil er nämlich auch nicht programmieren könne.
    Das hat man auch gemerkt, als er meine mühsam zusammengezimmerte Lösung so lange umschrieb, bis sie seiner Lösung auf dem Zettel und damit auch seinem Verständnis entsprach.
    Während der Vorlesung hat er mich einmal fast mit seinen Blicken vernichtet, da ich ihm auf eine Frage nicht antworten konnte. Und es war offensichtlich was er von mir und meinen gemachten Fingernägeln hielt.
    Für 90% meiner Kommilitonen hatte ich auch direkt den Dummchen-Stempel, weil ich (noch ganz Bürotussi) auf mein Äußeres achtete und genrell ein fröhliches, offenes Wesen hatte.

    Erst als ich stiller und schlichter wurde und vor allem letztendlich länger durchhielt als viele andere neben mir, hatte man langsam mehr Achtung vor mir.
    Trotzdem hab ich mich dann nie getraut jemandem um Rat zu fragen oder gar den Prof in der Vorlesung, weil ich Angst hatte, die Dumme zu sein.

    Nun mach ich also eine Ausbildung zum informatischen Handwerker und komme damit echt besser klar. Die Ingenieurstheorie würde mich auch immernoch interessieren, aber um das Handwerk zu lernen brauche ich Anleitung. Einen Ansprechpartner, jemanden, der es mir zeigt. Wo ich keine Scheu haben muss.
    Nach den Erfahrungen im Studium wäre es allerdings auch verständlich gewesen, wenn ich diese Richtung aufgegeben hätte. Dabei bin ich eigentlich ein guter Problemlöser; auch wenn ich zum verkomplizieren neige.

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