Wie kann man nur?

Jeder netzaffine Mensch wird schon davon gehört haben, wird sich vermutlich auch schon damit beschäftigt haben, selbst in offline-Medien (unbedingt anschauen) ist das Thema Netzsperren in aller Munde. Ebenfalls in aller Munde ist die damit einhergehende Gefahr der Zensierung regierungskritischer Seiten oder überhaupt von Seiten die irgendwem nicht gefallen, es wurden ja schon Stimmen laut, die auch urheberrechtlich bedenkliche Seiten mit auf die Liste gesetzt haben wollen.

All dem kann man sich kaum entziehen und als normaler Mensch sollte man doch eigentlich die wahren Absichten hinter dem vehementen Bestehen auf diese Sperrung erkennen können, oder?

Um so mehr hat mich die Tage  die Haltung meines Bruders erschreckt, seines Zeichens Selbständiger in der Computerbranche und garantiert nicht netzfremd. Seine Haltung? “Ach was solls, dann kommt da halt ein Stoppschild,”

Qualifizierte Leute lassen sich beschneiden, lassen sich zensieren, lassen sich alle Freiheiten nehmen (denn wenn eins klappt, wird gleich das nächste probiert) und machen sich keine Platte, weil das Thema Kinder “immer geht”. Dass man die Sperre umgehen kann, dass die Sperren nur zufällige Nutzer davon abhält so eine Seite zu betreten, dass der zufällige Nutzer nicht mal weiß, was sich hinter dem Stoppschild wirklich verbirgt, da die Sperrliste ja von niemandem eingesehen und überprüft werden darf, dass man als zufälliger Nutzer einer solchen Seite ein paar Wochen später das BKA in der Wohnung stehen haben kann, dass Kinderpornographie in kleinen Zirkeln getauscht wird und die Seiten nur gesperrt, aber nicht beseitigt werden…. Kann man so weltfremd sein?

Wie Frau von der Leyen schon sagte, Kinderpornographie ist das Vergewaltigen von Kindern vor laufender Kamera. Mit ihrer gespielten Betroffenheit unternimmt sie nicht mal den Versuch die Seiten vom Netz zu nehmen? Sondern erschwert nur die Strafverfolgung?

Der Frau sollte man mal gehörig in den Hintern treten. Oder halt, wie geht das Sprichwort? -> Ein Schlag auf den Hinterkopf erhöht die Denkleistung.

4 Comments

  1. Tux2000 says:

    Ach, ist das herrlich, wenn “normale” Menschen begreifen, was da gerade — und eigentlich schon viel länger — passiert. Und noch viel schöner finde ich, dass sich auch eine Mutter nicht von diesem besch***en KiPo-Pseudoargument blenden läßt.

    Ich stehe ja schon quasi täglich mit einem Bein im Knast, wenn ich meine EIGENEN Netzwerke (bzw. die des Arbeit-/Auftraggebers) mit “bösen Hacker-Tools” wie nmap abklopfe, damit die bösen Leute eben nicht rein kommen. Das ist mein Job, dafür wurde ich lange und intensiv ausgebildet! Bei diesem realitätfernen Gesetz ist eine gewisse Stopschild-Mentalität schon zu erkennen. Wenn wir die “bösen Hacker-Tools” verbieten, wird sie niemand mehr benutzen und wir können auf Penetrationstests komplett verzichten.

    Ich muß mich von Mitgliedern der aktuellen Regierung als potenzieller Pädokrimmineller beschimpfen lassen, weil ich durch meine Ausbildung die Fähigkeit habe, die lächerliche DNS-Sperre zu umgehen. (Und aufwendigere Sperren ebenfalls.)

    Jahrelang hat man mir in der Schule die Werte der “freiheitlich demokratischen Grundordnung” eingetrichtert, so lange alles demokratisch ist, die Gewalten geteilt sind und nichts zensiert wird, sei die Welt in Ordnung. Nazis sind böse, DDR ist böse weil undemokratisch (aber die guten Bürger in der DDR sind alle nur Opfer von UdSSR-Marionetten), UdSSR ist böse weil undemokratisch, China ist böse weil undemokratisch und zensiert, Amerika ist gut. Der Rest der Welt ist sch..egal. Oh ja, und da war noch Südafrika, böse weil Apartheid. Und jetzt fängt genau der tolle Staat mit der “freiheitlich demokratischen Grundordnung” an, dass GG mal eben über Bord zu werfen, unkontrollierte Zensur einzuführen, die nebenbei auch noch die Gewaltenteilung aushebelt. Von dem ganzen Terror-Unsinn will ich gar nicht anfangen. Es sind genau die gleichen Symptome und Mechanismen, die man mir (und sehr vielen anderen Leuten) als Einstieg in die Nazi-Diktatur eingetrichtert hat.

    Und da wundert sich noch irgendjemand über Politikverdrossenheit, niedrige Wahlbeteiligung, und Stimmabwanderung zu unkonventionellen Parteien?

    Genervt hat mich die Politik schon immer, auf dem Niveau eines Mückenstichs, aber in den letzten paar Monaten läuft mir echt die Galle über. Man stellt mich aufgrund meines Berufs in eine Ecke mit Kriminellen, man kriminalisiert meine berufliche Tätigkeit, man nimmt mir mein Recht auf Informationen und freie Meinungsäußerung.

    Nein, leichte Schläge auf den Hinterkopf, die angeblich das Denkvermögen (nur die Fähigkeit, nicht die Tätigkeit!) verbessern, helfen bei der aktuellen Regierung nicht mehr. Da kannst Du drauf prügeln, bis Dir beide Hände abfallen, es wird nichts ändern.

    Bald ist Europawahl. Wenn kann ich da ohne Schmerzen wählen? Exoten wählen bringt nicht wirklich was, die aktuellen deutschen Regierungsparteien sind für mich nicht wählbar, und die parlamentarische Opposition ist — von ihrer Beinahe-Unsichtbarkeit mal abgesehen — von meinen Idealen ziemlich weit weg.

    Und was wähle ich bei der nächsten Bundestagswahl? Landtagswahl? Extremisten kommen nicht in Frage, die beiden “Volks”parteien (Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger, Volksvertreter verkaufen …) auch nicht, Exoten, Populisten und Extreme schon gar nicht. Da bleibt nichts mehr übrig!

    Kann sich das ganze Politiker-Ungeziefer nicht einfach ein anderes Volk suchen? Irgendwo auf einem Planeten in einem Sonnensystem am gegenüberliegenden Ende der Milchstraße? Am besten mit Lebewesen bewohnt, gegen die ein handelsübliches Schaf wie Einstein, Newton, Planck, Hawking und Heisenberg zusammen wirkt. Damit sie nicht so leiden.

    Tux2000

  2. Oh, ich kann euch nur aus tiefstem Herzen zustimmen. Hier geht es doch wieder nur um das liebe Wahlvieh welches durch wirkungslose Blitzbeschlüsse eingefangen und zur Schlachtbank der Wahlurne gebracht werden soll.

    Mir geht es ähnlich wie Tux2000, Werkzeuge die ich zur meiner Netze verwendete sind jetzt als Teufelswerk verdammt… ob dies einen der “bösen Buben” belastet sei mal dahingestellt aber ich als Normalbürger werde in eine Ecke gedrängt in die ich niemals wollte. Wie bitteschön kann ich denn feststellen ob meine Tür nicht durch ein Brecheisen zu öffnen ist wenn ich das besagte Brecheisen nicht mal mehr ansehen darf?

    Hier wird Augenwischerei in ganz großem Maßstab betrieben, einzig die augenscheinlichen Auswirkungen werden übertüncht. Echte Probleme will hier niemand angehen, viel zu langfristig um gut für den nächsten Wahlkampf zu sein müssten die Änderungen angelegt werden…
    Genauso könnte der Bademeister sich die Augen zu halten wenn vor ihm jemand ertrinkt, denn was man nicht sieht ist auch kein Problem mehr. Nur der Ertrinkende, der hat das nachsehen…

    Nur, wählen gehen muss man, schon um die Wahlbeteiligung nach oben zu treiben und die Prozente der ach so tollen großen Parteien nach unten zu drücken.

    Ich habe da einen wirklich unrealistischen Traum: “Eine Wahlbeteiligung von 99%, und am ende schafft keine Partei die 7% Hürde. Denn das Volk vertraut niemandem mehr…” Aber soweit wird es nicht kommen, wir sind ja keine Franzosen. Wir deutschen würden vor einer Revolution ja erst noch eine Fahrkarte kaufen un mach Berlin zu kommen… wenn wir unsere Hintern überhaupt hochkriegen.

    Hm, ich glaube ich mache aus meinem Kommentar noch einen eigenen Blogbeitrag bei mir. 😀

  3. In einem Artikel von Spiegel Online: “Die Generation C64 schlägt zurück” wurde u.a. folgendes geschrieben:

    Die Einheimischen des Netzes, die Jüngeren, die habituellen Nutzer digitaler Technologie, sind es langsam leid. Sie möchten sich einmischen, möchten nicht einfach wortlos hinnehmen, dass immer wieder ungeniert in ihre Lebenswirklichkeit eingegriffen werden soll. Und zwar ausgerechnet von Leuten, die gerade unter den Jüngeren vielfach als auf diesem Gebiet ahnungslos wahrgenommen werden

    Es ist schrecklich, dass die Politiker keine Ahnung mehr vom echten Leben haben. Alles was in der Welt geschieht, kriegen sie weißgefiltert von irgendwelchen Öffentlichkeitsarbeitern vorgelegt. Sie haben in vielen Fällen (ich sag mal nicht allen) null Ahnung von der Materie. Das sagen wir C64er (ich bin mich da mal mit ein), das sagen aber auch alle anderen Bereiche. Mein Freund z.b. als Elektrotechniker und die Debatte um regenerative Energien zur Abschaffung von Kohlekraftwerken und vor allem dessen Umsetzbarkeit.
    Jemand der in entscheidungsgewaltigen Positionen sitzt muss verpflichtet sein sich umfassend zu informieren!

    Ich fand das schon immer komisch, dass mit den Ämtern eine Art “Platz wechsel dich”-Spiel mit dem Besetzen der Positionen betrieben wird. Heute hier, das nächste Mal woanders. Der Sellering war 2002 oder so irgendwas mit Verteidigung. Ich erinnere mich noch, wie er zu uns in die Berufsschule kam und wir darüber diskutieren ob man seine Kinder mit wohlplatzierten Hieben erziehen dürfe. Was macht er heute? Und was qualifiziert ihn ausreichend dafür?
    Ich denke, während sich der eingesessene Mitarbeiterstab darum kümmert, dass alles halbwegs flüssig weiterläuft sitzt der Minister da und überlegt sich wie er sich in seinem neuen Amt profilieren kann. Gibt es neuerdings vielleicht eine Erfolgsquote, die jeder zu erfüllen hat? Pro Periode ein neuer Gesetzesvorschlag zur “Verbesserung” der (alten) Welt?

    Zudem entsetzt es mich, dass jeder nur noch bestrebt ist, nach eigenen Interessen zu handeln. Als naives Ding stellt man sich eigentlich immer vor, dass wenigstens diese Leute aus ehrenvollen Motiven heraus handeln

  4. Tux2000 says:

    Diese Naivität, dass wir von Leuten regiert werden, die ich mit dem Fachgebiet ihres jeweilien Ministeriums auskennen, und die wirklich nur dafür sorgen wollen, dass es allen gut geht, hatte ich auch mal.

    Das war eine schöne Zeit.

    Leider habe ich dann irgendwann angefangen, Nachrichtensendungen ganz bewußt zu hören und ganz bewußt Zeitungen zu lesen. Und fragte mich (und meine Eltern), warum bei einem Treffen der großen Mächtigen des Kalten Krieges nicht mehr herauskommt als “eine positive Gesprächsatmosphäre”. Oder warum ein Fachminister plötzlich in ein Ministerium umgesetzt wird, von dessen Thema er überhaupt keine Ahnung haben KANN.

    Irgendwann habe ich erfahren, was Lobbyismus ist. Und wurde sauer. Weil dort die “geheiligte” Demokratie mit Füßen getreten wird.

    Später habe ich gelernt, wozu Experten, Berater und Gutachten wirklich da sind — damit man einen Schuldigen hat, wenn die verpfuschte Umsetzung eines ursprünglich mal brauchbaren Konzepts in die Hose geht.

    Und mittlerweile sehe ich noch viel mehr Sachen, die zu meinem Demokratieverständnis / -ideal nicht passen.

    Irgendwann habe ich die Nachrichten über Wochen ausgesperrt. Nur wurde es dadurch nicht besser.

    Jede Reform der letzten Jahre hat uns nur weiter in den Dreck geritten: Das Rentensystem ist kaputt, das Krankenversicherungssystem ist kaputt, und über ALG und das “soziale Netz” will ich lieber gar nicht nachdenken.

    All das war unangenehm, lästig, störend, aber irgendwie auch immer ein Stück weit weg. Es betraf akut immer nur andere.

    Jetzt betrifft es mich, und ich komme mir fast vor wie derjenige, der in Ruhe beobachtet hat, wie seine gesamte Nachbarschaft deportiert wurde, und an dessen Tür es jetzt klingelt:

    Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist.
    Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
    Als sie die Sozialisten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialist.
    Als sie die Juden einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
    Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

    (Martin Niemöller)

    Tux2000

Comments are closed.