weitere Gedanken

Passend zum letzten Artikel kam mir in den Sinn, dass vll. jede Begeisterung für einen Fotografen verfliegen würde, wenn man wirklich jedes seiner Bilder sehen würde.

In einer Serie entstehen vermutlich sehr viele Bilder; besonders, wenn man digital fotografiert. Und vermutlich entdeckt der Fotograf auf jedem dieser für ihn tollen Bilder Facetten, die das Bild zu etwas außergewöhnlichen machen und zeigt dann alle.

Der Betrachter ist aber nur erschlagen von zig Bildern ähnlicher Art.

Würde man sich also interessanter machen, wenn man sich .. hm.. rar macht? Nur ausgewählte Bilder zeigt? Auf verschiedenen Plattformen verschiedene Bilder? Zu verschiedenen Anlässen mal jenes, mal ein anderes Bild?

Man kennt das aus den Portfolien toller Fotografen. Einige Bilder einer Serie, aber grad so viel, dass man denkt “oh, das wars schon?” Das ist wie beim Flirten. Nie gleich alles von sich geben. Die Neugier erhalten. Süchtig machen.

Die Auswahl der besten Bilder ist schon ein schwieriger Akt. In den Kommentaren zu den Beiträgen “Zeigt euer bestes Bild 2010” begannen die meisten Kommentare mit “boah, die Auswahl war echt schwer”.

Verliert man irgendwann den kritischen Blick auf seine Bilder? Schon weil einem der eigene Stil ja gefällt?

Martin schrieb:

Irgendein wichtiger Fotograf, ich glaube es war Henri Cartier-Bresson, sagte übrigens mal, wenn man zwölf wirklich gute Fotos in einem Jahr gemacht hat, ist das schon eine verdammt gute Ausbeute.

Neben dem Verlust des kritischen Blicks kommt dann auch noch Hochmut dazu, oder?

Hinzu kommt:
In einer Folge der Simpsons endete Homers plötzlicher Erfolg als agressiver “Bildhauer” nach kürzester Zeit damit, dass seine Werke keiner Entwicklung unterlagen. Es war immer derselbe zusammengekloppte Schrott.

Normalerweise entwickelt man sich ja schon immer etwas weiter. Allerdings nicht immer plötzlich und in gleichen Abständen.

Sollte man sich dann nicht davon lösen, ständig was Neues zeigen zu müssen?

Am Anfang hab ich mich auch deshalb getrieben gefühlt, weil mein Blog in der Wikio-Kategorie “Fotografie-Blogs” mal eben auf Platz 11 aufstieg. Jeden Monatsanfang ging dann das Zittern los, ob ich abgestiegen bin. Total bekloppt irgendwie.

Inzwischen hab ich beschlossen, mich davon nicht mehr treiben zu lassen. Gute Bilder kommen, wenn sie kommen.
Das bedeutet auch, dass ich großzügig bei mir (auf der Festplatte) löschen werde. Dann ist halt ein tolles Bild weg. Aber wenn es nur das 10. von vielen ähnlichen ist, wird es nie jemand zu Gesicht kriegen, oder nicht würdigen können.
Außerdem merke ich, dass ich bei der Durchsicht meiner Bilder ziemlich schnell gelangweilt bin. Ich versuche schon seit einiger Zeit ein paar der tollsten zum Drucken rauszusortieren. Es sind viele schöne dabei aber viele sind sich auch so ähnlich. Alles weg. Um so mehr weiß man die verbleibenden zu schätzen und so zeigt sich dann auch wieder eine Entwicklung.
Vll. krieg ich dann auch endlich die Auswahl einiger Bilder für mein schon so lange geplantes eigenes Portfolio auf die Reihe.

Es soll interessant sein, Lust auf mehr machen.

2 Comments

  1. Ich glaube ich weiss, was Du damit sagen willst. Trotzdem: wer bestimmt, was ein gutes Bild ist und welches nicht? Die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Und einen einzigartigen Schnappschuss zu landen, das ist halt oft auch Glückssache. Ein Foto muss nicht immer spektakulär sein um einfach schön zu sein. Letztlich geht es auch einfach darum, dass der Künstler selbst Freude an seinen Werken hat bzw. am Prozess des Entstehens. Wenn Lob von aussen dazukommt: wunderbar! Aber das sollte nicht die treibende Kraft hinter dem künstlerischen Schaffen sein.

    Grüsslis!

    Barbara

  2. Hallo Barbara
    ja du hast recht. Das ist ja wie beim Bloggen auch. Macht man etwas nur um der Anerkennung willen, wird man bald frustriert aufgeben

    Jetzt im Nachhinein betrachtet, ist der Text schon ziemlich negativ. Insgesamt gesehen hab ich gar nicht so eine negative Einstellung zu allem. Aber ganz von der Hand weisen lässt es sich auch nicht :X

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